Sonntag, 25. März 2012

Ma Cher(ie).

Ein Blick auf die Uhr, scheiße, schon wieder zu spät. Eilig laufen wir in den Tanzsaal. Das Licht ist schon aus, die Musik an. Wenig später finde ich mich in einer unbeholfenen Umarmung meines Tanzpartners wieder. Und dann geht es auch schon los. Mit gekonnten Bewegungen führt er mich durch den Saal. Das Tanzen ist wie schweben, ich vergesse alles um mich herum. Es gibt nur noch ihn, mich und die Musik.  Manchmal treffen sich unsere Blicke, ich lächle ihm zu, um anschließend verlegen wegzugucken. Man sieht ihm an, dass das Tanzen ihm unheimlich viel Spaß macht. Und ich bin Dankbar so einen guten Partner zu haben. Wobei es mir irgendwie leid tut, dass er statt dem blonden Engel, mich, die pummelige, ungeschickte Ada zur Tanzpartnerin bekommen hat.

 Der blonde Engel, wie ich sie manchmal insgeheim nenne, ist meine beste Freundin. Sie ist genau das, was sich wahrscheinlich jeder Junge zur Freundin wünscht und das, was jedes Mädchen bewundert. Sie ist schön, sehr schlank, hat blondes, wundervolles, langes Haar und blaue Augen. Sie ist intelligent, liebenswert und selbstbewusst. Ihre Eltern haben unheimlich viel Geld, ich glaube sie sind die wohlhabendsten Menschen die ich persönlich kenne. Niemand kann mir erzählen, dass sie nicht begehrenswert ist. Doch ich liebe sie nicht allein für diese Dinge.Selbstverständlich nicht. Ich liebe sie für ihre Ecken und Kanten. Für die Seiten, die die meisten an ihr nicht kennen. Ob ich sie bewundere? Oder beneide? Nein das tue ich nicht, denn dafür kenne ich sie und ihr Leben viel zu gut.  Als ich sie zum ersten Mal sah, war sie klein, pummelig, schüchtern und hatte eine 'Harry Potter' Brille auf der Nase, welche sie unheimlich schick fand, was sie mir später sagte. Sie war so unscheinbar, dass ich sie früher nicht einmal richtig wahrnahm. Auf einem Elternabend in der fünften Klasse saßen unsere Eltern zufällig nebeneinander. Ihre Mutter sprach meinem Vater an und sagte ihm, dass ihre Tochter, Cher, mich total bewundere und von mir schwärme, aber sich nicht trauen würde mich anzusprechen. Mein Vater erzählte mir das. Da ich ein sehr kontaktfreudiges Kind war und immer auf der Suche nach neuen Freunden, setzte ich mich am nächsten Tag in Kunst neben ihr: "Du malst wunderschön", sagte ich zu ihr und meinte es auch wirklich so. Schüchtern bedankte sie sich. An diesem Nachmittag war ich zum ersten Mal bei Cher zu Hause. 

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